Ausgabe Dezember 2003

Ein Jahrzehnt Stadterneuerung

Blick zurück – Blick nach vorn

»Was ist das für ein Gefühl, wenn man einen bedeutenden Preis erhält?« Mein Gesprächspartner Theo Winters lächelt etwas verlegen.

Soziale Stadterneuerung ist seit über einem Jahrzehnt der Schwerpunkt der Stadtentwicklung im Prenzlauer Berg. Ausdruck dessen sind die fünf Sanierungsgebiete, zwei Quartiersmanage-mentgebiete und mehrere Erhaltungsrechtsgebiete. In diesen Bereichen des Städtebaurechts ist die Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung S.T.E.R.N. als Sanierungsbeauftragter und Moderator der Sanierungsbetroffenen und als Stütze der Bezirkspolitik tätig.

Theo Winters, Fachbereichsleiter Gebietsbetreuung bei S.T.E.R.N., ist zuständig für den Stadtteil Prenzlauer Berg. Zusammen mit seinen zwanzig Mitarbeitern kümmert er sich um die zielgerichtete Planung und zügige Durchführung der Sanierung. Seitdem die ersten Sanierungsgebiete 1993 festgesetzt wurden, sagt Winters, wurden etwa fünfzig Prozent des Wohnungsbestandes modernisiert. Aus ehemals heruntergekommenen Gründerzeitvierteln wurden durch privates Kapital und öffentliche Förderung fachgerecht erneuerte Quartiere mit modernem, manchmal luxuriösem Wohnkomfort. Ein äußerst dynamischer Prozess, der nicht konfliktfrei und nicht ohne Wegzug der alten Mieter ablief. Doch sind die Gründe für den Wegzug differenziert. Modernisierung bedeutet nicht automatisch Verdrängung. Theo Winters verweist darauf, dass die Unzufriedenheit der Mieter mit kleinen, unsanierten Wohnungen ebenso zum Wegzug führen kann wie das gestiegene Mietniveau nach erfolgter Modernisierung. Deswegen setzt sich S.T.E.R.N. dafür ein, die Bewohnerschaft am Sanierungsprozess zu beteiligen, soziale Härten zu vermeiden und gleichzeitig die Gebäudemodernisierung nicht zu behindern.

Nicht ganz so rasant verlief bisher die Sanierung von Gemeinbedarfseinrichtungen wie Schulen, Kitas oder Spielplätzen. Bisher wurden in den fünf Sanierungsgebieten nur etwa 25 bis 30 Prozent der Infrastrukturplanung erfüllt. Das liegt zum einen an der langwierigen Planung öffentlicher Investitionsvorhaben und zum anderen an der Haushaltsnotlage von Berlin. Durch geschicktes Management ist es S.T.E.R.N. jedoch gelungen, bei einer Reihe von Vorhaben zusätzliche finanzielle Ressourcen aus Fördertöpfen des Bundes und der EU zu erschliessen, so z.B. bei der ökologischen Sanierung der Kindertagestätte Am Friedrichshain 18 A.

Theo Winters vertritt die Ansicht, dass die Schulen in den Wohngebieten nicht nur isolierte Lehranstalten sein dürfen, sondern Orte des gesellschaftlichen Lebens. Gern zitiert er in diesem Zusammenhang den Satz eines nordrhein-westfälischen Politikers: »Die Schule muss der schönste Platz im Ort sein.« Deswegen unterstützt S.T.E.R.N. nachhaltig die Aktivitäten von Schülern, Lehrern und Eltern aus ihren Schulen eben dieses zu machen. Hierzu nennt er die Sanierung des Gebäudes und die Umgestaltung des Innenhofes der 11. Grundschule in der Gleimstraße. Mit der Kita »Gleimstrolche« in unmittelbarer Nähe , einem angrenzenden Spielplatz und dem Jugendhaus in der Sonnenburger Straße 69 hat sich hier ein regelrechter Kiez für Kinder und Jugendliche entwickelt.

Konfliktreicher hingegen entwickelt sich der Standort des Spielplatzes Am Prenzlauer Berg 5. Anwohner beschwerten sich massiv über die Skateranlage und Lärmbelästigungen. »Wenn irgendwo Leute in dieser Stadt ein Problem mit spielenden Kindern haben, rufen sie gleich nach dem Staat und fordern Lärmverbote, anstatt mit den Kindern zu reden«, ärgert sich Theo Winters, wohlwissend dass es noch eine Reihe ähnlicher Konflikte im Prenzlauer Berg zu bewältigen gibt. Trotzdem hält er das offensive Eintreten für die Interessen von Kindern und Jugendlichen für unverzichtbar.

Für dieses Engagement haben die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, der Bezirk Pankow und S.T.E.R.N. in diesem Jahr den Deutschen Städtebaupreis in der Kategorie »Kinder und Stadt« erhalten. Dabei galt es, sich gegen 40 mitbewerbende Kommunen durchzusetzen und Strategien für die Bewältigung der Konflikte von Kindern in hochverdichteten Innenstädten zu leisten. Viele Heranwachsende finden in diesen Gebieten zu wenig öffentliche Spiel- und Bewegungsflächen. S.T.E.R.N. hat mit seinen Partnern dieses Defizit im Prenzlauer Berg teilweise ausgleichen können. Theo Winters sieht diesen Preis deswegen als Bestätigung der geleisteten Arbeit. »Es macht Mut und Lust auf Weitermachen.«

Andreas Bossmann

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