Ausgabe Dezember 2003

Showtime

Straße der Besten

Millionen von Fernsehzuschauern haben den besten Deutschen gewählt. Gesucht wurde ein seriöser Superstar – fernab von Bohlen, Küblböck und Naddel oder anderen TV-Quotenbringern. In der Finalrunde standen deshalb samt und sonders verblichene große Deutsche zur Auswahl – darunter auch tatsächlich eine Frau, nämlich Sophie Scholl.

Die Kunst, die Wissenschaft, die Politik waren repräsentativ vertreten und siehe da auch Karl Marx hatte es unter die letzten Zehn geschafft. Und nicht nur das: Das Fernsehvolk wählte Karl auf Platz Drei hinter Konrad Adenauer und Martin Luther.

Schön quotiert diese Erstplatzierten: Ein Konservativer, ein Reformator, ein Revolutionär.

Oder anders: ein Westdeutscher, ein Mitteldeutscher und ein Exildeutscher.

Oder noch anders: Ein Katholik, ein Protestant, ein Gottloser. Ganz Deutschland kann sich in diesen Dreien wiederfinden, auch die ewig krittelnden Ossis, die immer noch nicht im realexistierenden Kapitalismus in den Farben der Bundesrepublik ankommen wollen.

Dank unserem Genossen Rechtsanwalt, der gewohnt eloquent als Pate auftrat und das ganze Lebenswerk von Karl Marx somit bis in die letzte bayrische Fernsehstube gelangte.

Und was hat das nun für Auswirkungen auf die politische Stabilität unseres lieben Vaterlandes, wenn ein Umstürzler ganz weit vorne landet? Ist das etwa der Weg in eine andere Republik? Mitnichten. Denn auf Platz Eins landete der Garant der Freiheit, der den Sozialismus stets begeiferte. Und das mit weitem Vorsprung. Das haben wir dem Westen zu verdanken. Beim nächsten Mal, Genossen, müssen wir alle Marx wählen, auch bei den nächsten realexistierenden Wahlen.

Einer
von den Marx-Brothers

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