Ausgabe November 2003

Zur Vita des Mauerparks

Gesucht wird: Mehr Park!

Der Mauerpark ist stadtbekannt. Gelegen auf dem früheren Mauerstreifen im Gebiet zwischen Eberswalder und Gleimstraße, entwickelte er eine beträchtliche Anziehungskraft für Alt und Jung – nicht nur aus dem näheren Einzugsgebiet. Was die wenigsten wissen: Das Grün am Jahn-Sportpark verdankt seine Existenz vor allem der Bürger- und Anwohnerinitiative. Ursprünglich sahen die Planungen des frühen »Nachwende-Berlins« vor, auf dem zusammenhängenden Gebiet eine Autobahn nach Norden zu plazieren. Erst der Druck von unten führte zur Absetzung dieser politisch verfolgten Idee.

Während der Konzipierung von »Olympiabauten« kam es dann – um deren Realisierung mit Zuckerstücken für die Anwohner zu versüßen – auch zur Ausschreibung der Gestaltung des Mauerstreifens. Ebenfalls weitgehend unbekannt ist, dass das, was heute den Mauerpark bildet, nur einer von drei Bauabschnitten ist, die im Siegerentwurf für die Gestaltung vorgesehen waren. Die übrigen Teile sind Gewerbeflächen auf Weddinger Seite; ihre Gestaltung als Park soll nach jüngster Planung nicht mehr erfolgen. Inzwischen fast realisiert ist dagegen ein »vierter Bauabschnitt« – um den Kinderbauernhof nördlich der Gleimstraße.

Wie wichtig die Erschließung des Mauerstreifens als öffentlicher und grüner Raum in der Berliner Innenstadt war, zeigte sich mehr, als für ihn gut war. Feten, Veranstaltungen und tägliche Nutzung des Parks haben nicht nur ihre Spuren hinterlassen, sie drohen ihn jetzt in dauerhafter Verwahrlosung versinken zu lassen. Sein Ruf, absolut »angesagt« zu sein, hat ihm eine große Zahl von Besuchern beschert. Inzwischen ist die gemischte, Grün schonende Frequentierung des Parks, einer zunehmend rücksichtloseren, andere Gruppen ausschließenden und auch durch regelmäßige Reinigung nicht aufzuhaltenden Praxis gewichen. Müll, Papier, Flaschen und Dreck sorgen für eine »Ausstrahlung«, die von den Anwohnern und dem »Freundeskreis Mauerpark« prägnant als »permanenter Ausnahmezustand« gekennzeichnet wird.

Der Park kann seinen freundlichen Charakter wohl erst wiedergewinnen, wenn die Fläche – wie einst geplant – erschlossen ist, die Pflege gesichert wird und Rücksicht für alle Menschen auf dem Platz wieder als einigender »Nutzerkonsens« gilt.

Klaus Lederer
Mitglied des Abgeordnetenhauses

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