Ausgabe September 2003

Feuilletonist, Kritiker und akribischer Spurensucher

Heinz Knobloch ist tot

»Ein Meister der kleinen Form« wurde er genannt. Heinz Knobloch ist mit 77 Jahren vor wenigen Wochen gestorben. In Pankow lebte er viele Jahre und war mit diesem Bezirk nicht nur literarisch verbunden. Vielen Lesern der ehemaligen »Wochenpost«, für die er als Redakteur und Autor von 1953 bis 1991 tätig war, ist er durch seine präzisen und persönlich gehaltenen Feuilletons in Erinnerung. Über 1000 Zeitungsartikel und 50 Bücher wurden von ihm geschrieben – eine Schatzgrube kleiner Porträts über Literaten, engagierte Politiker, historische Zeitzeugen und Alltäglichkeiten der ehemaligen DDR. Zitat von ihm: »Drohung des Feuilletonisten: Ich werde euch noch die Zwischentöne beibringen!« Die Zwischentöne lassen seine Gedanken und Wesenszüge, die er mit dem Dargestellten teilen möchte, erkennen – und sie nehmen die Leser auf eine detail- und kenntnisreiche, akribisch recherchierte Reise in (Literatur)-geschichte und Berliner Zeitgeschichte mit. Es gibt nur wenige Berliner Schriftsteller, die Berlin aus so vielen unterschiedlichen Perspektiven betrachtet haben, wie Heinz Knobloch. Er brachte uns Menschen näher, die diese Stadt geprägt haben, wie Moses Mendelssohn und Mathilde Jacob, die Sekretärin Rosa Luxemburgs. Seine Vorbilder waren die großen Flaneure und Kulturkritiker Berlins, Alfred Polgar, Franz Hessel und Alfred Kerr.

Er rehabilitierte das Genre Feuilleton, das sich als literarische Fassung für eine bestimmte Art kleiner Begebenheiten herausgebildet hatte. Und er hat es vermocht, geschichtliches Wissen unauffällig und fast nebenher zu vermitteln. Als freundlicher, liebenswerter und bescheidener Mensch, der gerne aus seinen Büchern vorlas, ist er vielen Literaturinteressierten in Erinnerung. Mit seinem Tod geht etwas Unwiederbringliches verloren: Die literarische Fähigkeit, sich in den Jahrhunderten spielerisch mit der »kleinen Form« zu bewegen, den Lesern etwas davon abzugeben und sich dennoch politisch zu engagieren.

Katharina Zoch

Lesetipp:
»Der leere Sockel am Rathaus Pankow« (in: Das Lächeln der Zeitung, Halle 1975)
 

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