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Ausgabe September 2003 Personalrätin im Gespräch mit extraDrei In dreißig Jahren ist alles vorbei Carola Knappe, stellvertretende Personalratsvorsitzende, sieht in den Bezirksamtsbeschlüssen zu den Personaleinsparungen das Prinzip des Rasenmähers zementiert. Sie bemängelt, dass das Bezirksamt keine strukturellen Veränderungen durchgesetzt hat. So sei es beispielsweise nicht zu einer Abflachung der Leitungshierarchie gekommen, die Verwaltungsreform sei völlig in Verges-senheit geraten und auch die Diskussion um den Wegfall bestimmter Aufgabenbereiche, bei denen keine gesetzliche Pflicht besteht, ist nicht voran gekommen. Statt dessen wurde wie so oft in den unteren Gehaltsgruppen besonders stark gekürzt. 70 Stellen fallen bei den Reinigern und Pförtnern weg, aber bei den höher gruppierten Stellen sind es nur sechs. Hier sei nicht politisch, sondern rein nach haushälterischen Gesichtspunkten entschieden worden. Carola Knappe tritt dafür ein, dass insbesondere in den Leistungsbereichen Jugend und Soziales das Personal aufgestockt werden müsste, weil hier täglich hunderte von Einzelfällen bearbeitet werden und die Mitarbeiter schon jetzt an ihrer Leistungsgrenze arbeiten. Eine weitere Zunahme der Arbeitsbelastung durch Stellenkürzungen sei deshalb nicht zumutbar. Hingegen könnte in allen Bereichen, die keine gesetzlichen Pflichtaufgaben ausführen, über-proportional eingespart werden. Sie kann nicht verstehen, warum das Bezirksamt eine aufgabenkritische Diskussion nicht geführt hat und damit eine Chance zur Umstrukturierung der Verwaltung verpasst wurde. Sie erkennt aber an, dass zumindest mit dem Kultur- und Bildungsentwicklungsplan ein Schritt in diese Richtung gegangen wurde. Obwohl kein Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt werden kann und weiterhin sein gewohntes Gehalt bezieht, stellt Carola Knappe nicht selten Resignation und Mutlosigkeit bei den Mitarbeitern fest. Hinzu kommt, dass der öffentliche Dienst in den Medien ziemlich schlecht wegkommt und als Steuergeld verschwendender Moloch kritisiert wird. Der öffentliche Dienst sei zu wenig offensiv und halte sich bei der Verteidigung eigener Interessen auffallend zurück. Bloß nicht den eigenen Arbeitsplatz verlieren, bloß nicht auffallen, scheint das Motto zu sein. Den Tarifabschluss zwischen Gewerkschaften und Senat sieht die stellvertretende Personal-ratsvorsitzende eher negativ, weil in den unteren Gehaltsgruppen acht, in den mittleren zehn und in den höheren zwölf Prozent weniger Geld gezahlt wird. Wie soll dann die mehr gewährte Freizeit mit weniger Gehalt sinnvoll gestaltet werden? Außerdem schwindet durch die Einbußen die Kaufkraft der Bevölkerung. Glücklicher ist Carola Knappe jedoch mit der Ausbildungssituation im Bezirksamt. 120 Auszu-bildende gibt es zur Zeit in allen Bereichen. Sie lobt das Bemühen des Bezirksbürgermeisters, diese jungen Leute in den öffentlichen Dienst zu übernehmen, wenn da nicht der allzu forsche Sparsenator Sarrazin wäre. Sie sagt mit einem etwas bitteren Lächeln: »In dreißig Jahren hat sich das Personalproblem Pankows erledigt. Dann gibt es nur noch 114 Mitarbeiter. Der Rest ist in Rente.« Andreas Bossmann |