Ausgabe September 2003

Das Letzte

Aufstand der Gartenzwerge

Das »Milchhäuschen« am Weißen See stand schon in den späten achtziger Jahren leer und verfiel – sehr zum Verdruß der angestammten Bevölkerung. Ihrem Wunsch folgend gab es Anfang und Mitte der neunziger Jahre zwei Versuche zur Wiederbelebung der Gaststätte, die jedoch scheiterten. Warum das so war, läßt sich im Nachhinein durch die jetzige Bezirksverordnetenversammlung nur schlecht herausbekommen, denn mit Vorgängen von öffentlichem Interesse scheint sich die alte BVV in Weißensee (nach Aktenlage) nur selten und eher sporadisch befaßt zu haben. Im Sommer 1997 hatte das damalige Bezirksamt laut einer Antwort auf eine Mündliche Anfrage des CDU- Verordneten Hesse jedenfalls den Abriß und für 1998/99 die Errichtung eines »historischen Pavillons« beschlossen, die Terrasse sollte »eine größere Pflanzfläche« erhalten.

Entweder war der Abriß der Ruine zu teuer oder der befürchtete Unmut in der Bevölkerung zu groß, jedenfalls wurde das »Milchhäuschen« 1999 an Oswald Wachenbrönner verpachtet. Der investierte knapp 1 Million DM aus eigener Tasche, die gegen den Pachtzins aufgerechnet wurde, wertete so den Park am Weißen See durch ein gutes gastronomisches Angebot der Mittelklasse auf und konnte sich bald vor Gästen nicht mehr retten. Um seine Dienstleitung ganzjährig zu wirtschaftlichen Bedingungen anbieten zu können, plante Wachenbrönner ab 2001 den behindertengerechten Umbau und die Erweiterung des Lokals für weitere 800.000 Euro, wofür er die Unterstützung der IHK, des Hotel- und Gastenstätenverbandes, des Wirtschaftssenates und des Runden Tisches Tourismus fand. Nicht jedoch der Gartenzwerge aus dem Pankower Amt für Umwelt und Naturschutz (AUN). Diese verlangten im Februar 2003 (!) allen Ernstes, daß er den Weg von der Parkstraße zum Weißen See quasi mit in Erbpacht nehmen solle, in dem er für seine Verkehrssicherheit sorgen sollte, bis hin zum Strom für eine beleuchtete Hausnummer in der Parkstraße. Daß diese befestigte Zufahrt zum Park häufiger von den Fahrzeugen des AUN als vom Lieferverkehr des »Milchhäuschens« genutzt wird, spielt weiter keine Rolle. Und als Wachenbrönner sich durch einen Kompromiß – archaisches Wegegeld – aus dieser Schlinge befreit hatte, wurde dem Landesrechnungshof Berlin im Mai 2003 nahegebracht, das mittlerweile – von Wachenbrönner – sanierte Gebäude könne doch nicht nichts wert sein. Was zu der absurden Situation führt, das ein privat renoviertes Gebäude in öffentlichem Besitz durch diese Wertsteigerung demjenigen, der es renoviert hat, nur um den Preis eben dieser Wertsteigerung überlassen werden könnte.

Wachenbrönner will durch die Erweiterung des Geschäftes sieben Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen. Die Öffentliche Hand wäre eine Ruine los. Die Bürger Weißensees bekämen ein attraktives Speiserestaurant. Notwendiger Weise setzt dies privaten Profit voraus. Und die Erkenntnis, daß es selbst im Botanischen Garten der Berliner Universität zwei Gaststätten gibt.

Wolfram Kempe
Bürgerdeputierter

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