Ausgabe September 2003

Ausstellung: Kunst in der DDR

Dreizehn Jahre nach dem Ende der DDR geschehen noch kleine Wunder. Fernab von Ostalgie und Verteufelung gelingt der Neuen Berliner Nationalgalerie ein unverkrampfter Blick zurück auf vierzig Jahre Kunst in der DDR. In der von Eugen Blume und Roland März konzipierten Ausstellung werden 400 Werke von 145 Künstlern der Gattungen Malerei, Grafik, Plastik, Fotografie und Film präsentiert. Den Ausstellungsmachern kam es vor allem darauf an, die Vielfalt der künstlerischen Handschriften, das Leben und Überleben von Künstlern in der DDR zu dokumentieren. Dabei werden die gängigen Klischees des sozialistischen Realismus, der Staats- oder Dissidentenkunst nicht bedient. Dafür steht die Individualität des Künstlers im Mittelpunkt der Ausstellung. Anhand typischer Werke werden die Auseinandersetzung mit Realität, Utopie und Geschichte, die Rezeption von vergangener und moderner Kunst, sowie die originäre Beschäftigung mit dem Gegenstand nachvollziehbar gemacht. Alle wesentlichen Malschulen wie etwa die Leipziger, die Dresdner und die Berliner sind vertreten. Die starke Präsenz der Berliner Künstler fällt dabei ins Auge. Offenbar war eine späte Hommage an die hauptstädtische Schule, die selbst zu DDR-Zeiten eher im Hintergrund wirkte, gewollt. Die Palette der ausgestellten Künstler reicht von der Generation der »Stunde Null« wie z.B. Hans Grundig, Fritz Cremer und Wilhelm Rudolph über Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und Roland Metzkes als Repräsentanten der mittleren Generation bis hin zu Trak Wendisch, Lutz Dammbeck und Walter Libuda, um nur wenige zu nennen. Der Pankower Künstler Robert Rehfeldt postulierte in den siebziger Jahren: »Mehr Kunst ins Getriebe« – eine an Aktualität kaum zu überbietende Feststellung.

Das starke öffentliche Interesse an dieser Ausstellung war schon in den ersten Tagen bemerkenswert hoch. Man sollte die seltene Chance der Wiederbegegnung und Neuentdeckung noch bis zum 26. Oktober von dienstags bis sonntags in der Zeit von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 22 Uhr nutzen.

Andreas Bossmann

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